Vortrag: „Legal Tech“ und die Zukunft der Rechtsberatung

Am 19. Mai stand ich bei den Kollegen von Taylor Wessing in München am „IT/IP Open Mic“, um mich zu einem zunehmend medienpräsenten Thema zu äußern: „Sind wir bald alle arbeitslos? „Legal Tech“ und die Zukunft der Rechtsberatung“.

Wie im „Open Mic“-Format üblich verzichteten wir auf Folien und andere Formen der Visualisierung – ungewöhnlich, vor allem wenn es darum geht, Online-Projekte aus dem „Legal Tech“-Bereich vorzustellen. Für diejenigen, die nicht teilnehmen konnten oder während des Vortrags weggedämmert sind (es war schon spät, ich nehme das nicht persönlich) hier eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte:

  • Ich habe zunächst zusammengefasst, was der große „Rechtsberatungs-Zukunftsforscher“ Richard Susskind zum Thema zu sagen hat. Ich habe mich dabei vor allem an seinem Buch „Tomorrow’s Lawyers“ orientiert. Seine Werke „The End of Lawyers“ und, seit neuestem, „The Future of the Professions“ gehen inhaltlich in eine ähnliche Richtung. Sie sind schnell und gut lesbar. Sehr empfehlenswert und unterhaltsam ist in diesem Zusammenhang auch das Buch „Professionelle Intelligenz“ von Gunter Dueck. Dueck bezieht sich allgemein auf Dienstleistungsberufe und beschreibt, welche Anforderungen moderne Dienstleister (und überhaupt: Berufstätige) im IT-Zeitalter erfüllen müssen.
  • Im zweiten Schritt habe ich in leicht blumigen Worten versucht, die aktuelle Landschaft der „Legal Tech“-Unternehmen zu beschreiben und sie in die von Susskind genannten Kategorien von „Disruptive Legal Technologies“ einzusortieren. Meine Mindmap hierzu habe ich auf Papier ausgeteilt, sie steht aber auch hier zum Download im PDF-Format bereit. Der in der Mindmap empfohlene Robert Ambrogi führt übrigens seit kurzem eine Liste international bedeutenderer Legal-Tech-Unternehmen.
  • Schließlich war es mir wichtig, eine realistische Haltung zum Thema „Legal Tech“ zu vermitteln. Meine persönliche Haltung zum Thema sieht kurz zusammengefasst so aus:
  1. Der „Legal Tech“-Markt befindet sich in einer sehr frühen und (positiv formuliert) dynamischen Phase. Es gibt viele gute Angebote „für“ und „gegen“ etablierte Juristen und Kanzleien. Auch aus Sicht des „Nicht-Experten“ kann es nicht schaden, den Markt laufend zu beobachten und seine Entwicklung zu verfolgen.
  2. „Legal Tech“-Angebote halten traditioneller Rechtsberatung den Spiegel vor. Sie versprechen einfachen und transparenten Zugang zu preisgünstigen juristischen Leistungen. Transparent sind nicht nur die Preise, sondern vor allem die Leistungen selbst. Sie sind häufig als Produkte definiert (schon vor knapp zwei Jahren haben Ralf Zosel, Dennis Breuer und ich beim EDV-Gerichtstag in Saarbrücken über „EDV-gestützte anwaltliche Beratungsprodukte“ gesprochen).
  3. Trotzdem hat man bei vielen „Legal Tech“-Unternehmen den Eindruck, dass die Aufgabenstellungen nicht vollständig durchdacht sind und sich der Kundennutzen in Grenzen hält. Kanzleien können flexibler agieren und die besseren „Legal Tech“-Unternehmen sein – wenn sie moderne Dienstleister sind.
  4. Wann ist eine Kanzlei moderner Dienstleister? Wichtige Kriterien sind aus meiner Sicht Transparenz (der Leistungen und Preise, s.o.), Nahbarkeit, Schnelligkeit, echte Erleichterung für den Kunden („Customer Experience“), IT-Unterstützung und Offenheit für Neues. Das sind zumindest die Kriterien, die unsere Kanzlei zu erfüllen versucht.
  5. Gute IT-Unterstützung in der Anwaltskanzlei hat nicht unbedingt etwas mit „Legal Tech“ zu tun. Am Wichtigsten sind gute Prozesse. Die passenden Tools müssen nicht unbedingt Tools für Juristen sein (siehe dazu diesen Blog-Beitrag). Für „normales Business“ gibt es häufig die besseren, weil flexibler einsetzbaren Produkte.
  6. Wer muss sich wegen „Legal Tech“ die größten Sorgen machen? Aus meiner Sicht diejenigen, die ihr Geld mit leicht automatisierbaren Leistungen verdienen. Das sind viele kleine, nicht spezialisierte Kanzleien, aber auch stark aufgeblähte Großkanzleien mit „Pyramiden“-Struktur. „Legal Tech“ wird den Rechtsmarkt zunächst also quasi von beiden Seiten anknabbern.
  7. Wer kann von „Legal Tech“ profitieren? Aus meiner Sicht vor allem moderne Kanzleien, die offen für Neues sind und sich von neuen Entwicklungen inspirieren lassen, um ihre eigenen Leistungen zu verbessern.

Abschließend ganz herzlichen Dank an Thanos Rammos und die Kollegen von Taylor Wessing für die tolle Organisation dieser Veranstaltung!


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